Georg Wallisch
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Der erste Kontakt

Georg Wallisch

Meinen ersten Berührungen mit Aikido hatte ich bereits während der Schulzeit. Ein guter Schulfreund (er ist mittlerweile bei der Polizei) machte damals Aikido und ich als sein Banknachbar war gelegentlich mehr oder weniger freiwillig sein Uke (Nikkyo meistens). Dadurch erwachte bei mir das erste Interesse an dieser Kampfkunst, mit der es mein Kollege geschafft hatte, mich mit einer Hand am Boden zu fixieren. Ein gewisser Racheeifer war damals auch mit dabei. Dieses Interesse verlor sich aber relativ schnell wieder, da zum einen die Banknachbarn als auch die Schulzeiten wechselten.

Die Anfänge

Als ich dann 2005 im 7.Semester an der Uni Regensburg war, beschlossen ein Kommilitone aus dem 3. Semester und ich mal in der Unisportgruppe Aikido vorbei zu schauen. Offen gesagt wäre ich allein wahrscheinlich nicht hingegangen. Unsere erste Frage war, ob wir gleich so einen schwarzen Rock (Hakama) und einen solchen Judoanzug bräuchten. „Nein, natürlich nicht!“ sagte man uns. Und ehe wir uns versahen, waren wir schon mittendrin.

Mein erster Lehrer war Franz Bösl (3.Dan Aikikai Honbu Dojo, 2.Dan Shinkiryu Aikibudo, 1.Dan Daitoryu Aiki Jujutsu Bokuyokan). Franz war ursprünglich ein Karateka, der dann über Daitoryu und anderen Stilrichtungen zum Aikido gekommen war. Dem entsprechend lies er uns gern auch mal über den Tellerrand schauen, zeigte „alte Techniken“ des Daitoryu, erklärte und philosophierte auch gern. Das Aikido wurde da für mich zu meinem Ausgleich zum Studium. Mindestens zweimal pro Woche nach der Vorlesung oder Labor ab zum Training.

Schnell wurde man zum festen Bestandteil der Aikidogruppe. Nach dem Training ging man auch gern mal auf einen Trunk (und gelegentlich Pizza) danach. Durch die verschiedenen Trainer, wie sich die Senseis des Uni-Dojo selbst nannten, wurde es nie langweilig. Neben Franz unterrichteten uns noch Manfred Röhrl (2. Dan Aikikai), Rainer Albers (2. Dan Aikikai) und Christoph Strunk (4. Dan Aikikai, Dojo Cho).

Mal woanders

Das Wintersemester 2005/06 neigte sich dann irgendwann dem Ende zu. Manfred oder Franz gab mir den Tipp, dass „bei mir oben in der Nähe“ auch ein Aikikai-Dojo sei, an das ich mich in den Semesterferien mal wenden könnte. Auf diese Weise kam ich zu Regina Göths (2. Dan Aikikai) nach Wiesau. Sie unterrichte mit ihrem Deshi Lothar Rosner (2. Kyu) eine kleine Gruppe von Aikidokas des TB Jahn Wiesau. Man nahm mich sofort herzlich auf und lies mich mittrainieren.

Im Sommersemester 2006 ging es dann wieder zurück an die Uni und dort ins Aikido. Zwischenzeitlich besuchte ich auch einen Lehrgang in Wiesau unter der Leitung des deutschen Aikikai-Leiters Katsuaki Asai (8. Dan Aikikai). Dies war dann irgendwo der Moment, wo ich dachte, alles Interessante am Aikido kennengelernt zu haben.

Als sich der Sommer dem Ende neigte, erzählte mir Franz von einem guten Bekannten, der kürzlich in Marktredwitz ein Dojo aufgemacht hatte. Zu Christian Büttner (4. Dan Takemusu Aikido) solle ich schauen und herzliche Grüße ausrichten. Rein zufällig traf ich ihn dann in der Winkelmühle und stellte mich vor. Kurz darauf trainierte ich zum ersten Mal im Masakatsu Agatsu Ishin Denshin Dojo.

Neue Welten

Es war deprimierend. Auch wenn man sich als Anfänger in diesen Künsten keine Wertung erlauben sollte, stellte meiner Meinung nach das Takemusu Aikido alles in den Schatten, was ich bisher gesehen hatte. Aber dies weckte jetzt wirklich mein Interesse und ich trainierte so oft ich konnte. Zurück an der Uni blieb mein „Seitensprung“ nicht unbemerkt. Zu sehr hatten sich meine Techniken verändert. Zu sehr achtete ich nun auf Präzision, Winkel, kurze, effektive Bewegungen. Die meisten Trainer hatten damit keine Probleme. So offen und vielgestaltig wie die Uni selbst war auch das Uni-Dojo. Jeder brachte hier seine Stilelemente ein. Mit einem meiner dortigen Sempais (Helgi Diehl, 2.Kyu), der sich ebenfalls für das traditionelle Aikido interessierte, begann ich, vor dem eigentlichen Training mit den Waffen zu üben. Einige andere Deshis gesellten sich auch dazu. So übten wir Bukiwaza vor dem Training und Takemusu-Techniken währenddessen, wenn die zwei richtigen zufällig zusammenkamen. Wenn es mir möglich war, fuhr ich auch nach Marktredwitz um dort trainieren zu können.

Irgendwann war ich dann mit dem Studium fertig und musste dem Uni-Dojo den Rücken kehren. Dies tat ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Weinend weil im Uni-Dojo alles angefangen hat, lachend weil ich nun mich ganz dem Takemusu Aikido verschreiben konnte. Einzig die Trainingsfrequenz lies etwas nach, da ich mich jetzt auch mehr dem Berufsleben und meiner Freundin widmen musste.

Jetzt

Nach fast fünf Jahren Aikido habe ich etliches gelernt, weiß aber, dass dies alles immer noch nur die Spitze des Eisbergs auf Weg der Kampfkunst ist. Aikido, speziell das Takemusu Aikido, ist für mich zu einer Kunst geworden, die man mit Passion pflegt, und deren Wirkung bis in den Alltag präsent ist.

Allen meinen Senseis und Sempais habe ich viel zu verdanken und zu danken, dass sie mich in dieser Kunst unterwiesen haben und weiter unterrichten. Ganz besonders danke ich Christian-sensei und Bernd Lindner (1. Dan Takemusu Aikido) für die in mich gesteckte Mühe und Geduld.

Domo Arigato Goshaimashita!

Georg Wallisch (4. Kyu Takemusu Aikido), 2010

Last Updated on Monday, 27 December 2010 12:05